Geschichte

2011

Dr. Rudolf Stämpfli tritt nach acht Jahren als Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands zurück.

Die konzeptionellen Leistungen (Kommunikationskonzepte, Corporate Publishing, redaktionelle Unterstützung usw.) der Stämpfli Publikationen AG werden im Bereich Stämpfli Kommunikation zusammengefasst.

Der Sammelhefter Müller-Martini Primera E160 wird in Betrieb genommen. Dank kürzesten Einrichtzeiten und höheren Fortlaufgeschwindigkeiten wird die Produktionssicherheit bei zeitkritischen Aufträgen erhöht.

2010

Der Stämpfli Verlag AG baut seinen Aktienanteil an Swisslex deutlich aus. Die auf dieser Plattform abrufbaren Inhalte des Verlags steigen kontinuierlich an.

Mobile Technologien sind in aller Munde: Im Mai kommt das Apple iPad auf den Schweizer Markt, im Juli ist die erste bei Stämpfli Publikationen AG hergestellte Zeitschrift auf dem iPad zu bestaunen. Insgesamt wird das Angebot an mobilen Lösungen stark ausgebaut.

Anschaffung einer Kodak-Next-Press-Digitaldruckmaschine.

Kodak-Next-Press-Digitaldruckmaschine

Dank der Anschaffung einer Kodak-Next-Press-Digitaldruckmaschine in Ergänzung der beiden bestehenden Maschinen können die Leistungen für segmentierte und personalisierte Drucksachen ausgebaut werden.

Stämpfli beteiligt sich an der marentxml GmbH und erweitert dadurch die Leistungen für XML-strukturierte Lösungen.

Vollständig erneuerte Stämpfli-Website geht online auf der Basis des CMS Typo3.

Erste Magento-Shops realisiert.

2009

Mit der Inbetriebnahme einer Rollenoffsetmaschine manroland Rotoman mit einer technischen Fortdruckgeschwindigkeit von 55 000 U/h, beidseitig vierfarbig, und einer Zehnfarben-Offsetmaschine Heidelberg XL 105 werden dringend benötigte Kapazitäten geschaffen. Namentlich die Zeitschriftenproduktion wird dadurch gestärkt.

Mit myclimate als Partner führt Stämpfli Publikationen die Möglichkeit des klimaneutralen Druckens ein.

Einführung des neuen CRM auf Basis von Microsoft Dynamics.

2008

Die Stämpfli Publikationen AG investiert 2008 insgesamt 14 Mio. CHF in den Standort Bern.

Stämpfli investiert

Im November wird eine neue Rollenoffsetmaschine des Typs Rotoman von manroland installiert, Anfang Dezember eine neue Zehn-Farben-Bogenoffsetmaschine von Heidelberg, die erste Maschine dieses Typs in der Schweiz. Damit setzt Stämpfli erneut technologische Meilensteine.

Dank den neuen Maschinen, die beide ältere Maschinentypen ablösen, kann Stämpfli die Kapazität erhöhen.

Stämpfli Blätterkatalog: erste operative Einführung bei Kunden.

1. Januar: nievergelt.pps ag wird mit der Stämpfli Publikationen AG fusioniert, der Standort Zürich im World Trade Center WTC wird ausgebaut.

2007

Das Katalogsystem Stämpfli LayoutBox®  sowie das Web-Content-Management-System tecRacer –Nachfolger von iRacer: erste operative Einführung bei Kunden.

1. Februar: Die Stämpfli Polska Sp. z o.o. in Warschau wird gegründet.

Rückwirkend auf den 1. Januar 2007 übernimmt Stämpfli nievergelt.pps ag in Zürich.

2006

Web-Content-Management-System webEdition und Stämpfli FlexShop: erste operative Einführung bei Kunden.

Um die zunehmende Zahl neuer Kunden im Grossraum Zürich und in der Ostschweiz besser zu betreuen, eröffnet die Stämpfli all media AG per 1. Januar 2006 eine Niederlassung in Zürich.

Niederlassung in Zürich

Stämpfli eröffnet eine Niederlassung in Zürich.
Um die zunehmende Zahl neuer Kunden im Grossraum Zürich und in der Ostschweiz besser zu betreuen, eröffnet die Stämpfli all media AG per 1. Januar 2006 eine Niederlassung in Zürich. Unterstützt durch das 30köpfige Team in Bern werden die beiden neuen Mitarbeiter Stephan Pua und Christian Leeger die Kunden und Projekte vom neuen Standort aus betreuen. Die beiden Fachleute für Publikationssysteme haben in den letzten Jahren erfolgreich den Bereich X_Media der Meier Waser Druck AG aufgebaut. Die X_Media wird per 1. Januar von der Huber und Co. AG in Frauenfeld übernommen. Die Zürcher Räumlichkeiten stehen auch den weiteren Unternehmen der Stämpfli Gruppe für Workshops und Sitzungen zur Verfügung. Mit diesem Schritt unterstreicht die in der ganzen Schweiz und in Deutschland aktive Stämpfli Gruppe die Bedeutung des Wirtschaftsraums Zürich und Ostschweiz.

2005

Redaktionssystem Stämpfli EditorBox: erste operative Einführung bei Kunden.

Gründung der Kraft all media GmbH & Co. KG für den Vertrieb von Stämpfli all media-Systemlösungen auf dem deutschen Markt.

Im Rahmen einer Neuregelung der bestehenden Kooperation mit ihrem Partner Reed Elsevier kauft die Stämpfli AG dessen 40%-Beteiligung am Stämpfli Verlag AG zurück. (Mehr Infos zu Reed Elsevier siehe 1997)

2004

Stämpfli zertifiziert sein Risikomanagement nach der Norm ONR 49001 und erhält die FSC-Zertifizierung.

2003

Stämpfli ActiveShop: erste operative Einführung bei Kunden.

Umzug von der Hallerstrasse an die Wölflistrasse.

Wölflistrasse

Um die Jahrhundertwende wird die Platznot im Haus an der Hallerstrasse immer offensichtlicher. Die Geschäftsleitung hat sich überdies entschlossen, eine Pilotmaschine DICOweb anzuschaffen, die mit ihren aussergewöhnlichen Dimensionen nur schwer in den Räumen des 120-jährigen Gebäudes Platz finden würde. Aus verschiedenen möglichen Standorten für einen Neubau fällt die Wahl auf das Grundstück am Schermenweg, in unmittelbarer Nähe der Waldau. Nachdem der Kanton die Wölflistrasse gebaut, das Architekturbüro A. Furrer und Partner AG die neue Anlage geplant hat und das alte Gebäude an die Swissmedic verkauft worden ist, kann am 1. Februar 2002 der erste Spatenstich stattfinden. Bereits im Winter des gleichen Jahres ziehen erste Abteilungen von der Haller- an die Wölflistrasse, und im Sommer 2003 befindet sich das gesamte Unternehmen am neuen Ort.

Inbetriebnahme der neuartigen Druckmaschine DICOweb.

DICOweb

Auf der Suche nach vollautomatischen Abläufen bei der Druckformenherstellung stösst die Geschäftsleitung im Jahre 2000 auf eine von der Druckmaschinenfabrik MAN Roland in Augsburg entwickelte Maschine: DICOweb. Die Maschine druckt nach wie vor nach dem Offsetprinzip, bedarf aber keiner Platten mehr, weil das Bild direkt auf den Druckzylinder übertragen und auf diesem auch wieder gelöscht werden kann. Am 26. November 2002 kann mit der Installation in der grossen Halle an der Wölflistrasse begonnen werden.

2002

Katalogsystem Stämpfli PublishBox®: erste operative Einführung bei Kunden.

Lancierung von E-Produkten des Verlags.

E-Produkte des Verlages

Nachdem bereits 1998 eine CD-ROM Arbeitsrecht herausgekommen ist, startet der Verlag 2002 eine eigentliche E-Produkte-Linie mit Onlineangeboten von Zeitschrifteninhalten und zum Nachführen der Updates von Lehrbüchern in Deutsch und Französisch.

2001

Web-Content-Management-System iRacer: erste operative Einführung bei Kunden.

2000

Publikationssystem Stämpfli mediaSolution2®: erste operative Einführung bei Kunden.

1997

Der Stämpfli Verlag wird innerhalb der Stämpfli Holding selbstständig und geht eine Partnerschaft mit Reed Elsevier ein.

Reed Elsevier

Nachdem der Verlag innerhalb der Holding mit der nötigen Eigenständigkeit ausgestattet worden ist, beteiligt er die britisch-niederländische Verlagsgruppe Reed Elsevier mit 40% an seinem Aktienkapital. Reed Elsevier ist eine der führenden weltweit tätigen Verlagsgruppen mit vier Segmenten, rund 25 000 Beschäftigten und einem Umsatz, der 1996 rund 8,5 Milliarden Schweizer Franken beträgt. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in London. Eine wesentliche Bedeutung bei dieser Zusammenarbeit kommt der weltgrössten Onlinedatenbank Lexis®-Nexis® zu, die 1973 als erster kommerzieller Onlineservice mit Rechtsdatenbanken gestartet worden ist.
Im Rahmen einer Neuregelung der bestehenden Kooperation mit ihrem Partner Reed Elsevier kauft die Stämpfli AG dessen 40%-Beteiligung am Stämpfli Verlag AG im Jahr 2005 zurück. Die weitere Kooperation wird in einem neuen Zusammenarbeitsvertrag geregelt.

1996

Das Informatikunternehmen Stämpfli all media wird ins Leben gerufen.

Einstieg in den digitalen Druck.

1995

Erstes Zertifikat: SN EN ISO 9002

SN EN ISO 9002

Fünfzehn Monate Projektarbeit, Schulung, Instruktion und Umsetzung gehen dem sogenannten Zertifizierungsaudit, einer eingehenden Überprüfung aller Arbeitsabläufe, voraus. Dieses Audit verläuft erfolgreich, sodass die Firma am 26. April 1995 ohne Auflagen das Zertifikat SN EN ISO 9002 erteilt bekommt. Damit beginnt ein kontinuierlicher Optimierungsprozess, der in regelmässigen Abständen neu überprüft wird.

1994

Stämpfli übernimmt die Software-Entwicklungsfima CAP Solutions und baut auf dieser Grundlage im Laufe der Zeit die heutige Stämpfli all media auf.

1990

Die Druckvorstufe wird unter dem Motto Satz 90 neu organisiert.

Satz 90

Personalcomputer auf Macintosh- und DOS-Basis beginnen ihren Siegeszug. Anstelle der Texterfassung tritt immer häufiger die Anlieferung von Text auf Datenträgern. Das Desktop-Publishing- und Postscriptzeitalter hat begonnen. Es werden Satz- und Layoutprogramme entwickelt, die nicht mehr auf spezielle Hardware angewiesen sind. In den folgenden Jahren wird das Digiset-System durch die Programme Textline, Pagemaker und später QuarkXpress abgelöst. Mit dieser Entwicklung beginnt sich auch das Ende der Zweiteilung von Text und Bild in der Druckvorstufe anzubahnen. Aus dem Typografen wird ab Mitte der 1990er-Jahre der Polygraf, der am Bildschirm Texte und Bilder bearbeitet.

1988

Dr. Rudolf und Peter Stämpfli treten an die Spitze des Unternehmens.

Mit dem Generationenwechsel wird die Holdinggesellschaft gegründet.

1986

Mit dem neuen Isys-Converter wird die Übernahme von Kundendaten erleichtert.

1983

Die Rollenoffsetmaschine RotoMAN nimmt ihren Betrieb auf.

Rollenoffsetmaschine

Erstmals kommt bei Stämpfli 1983 eine Rollenoffsetmaschine zum Einsatz, wie sie vor allem in Zeitungsdruckereien schon lange in Betrieb sind. Im Gegensatz zum Bogendruck wird bei diesem System ein endloses Papierband bedruckt. Anschliessend an die zwei Doppeldruckwerke folgt ein Farbtrocknungsofen, ein Kühlwerk und ein Schneid- und Falzapparat, der 48-seitige Einheiten ausstösst. Die Produktionsgeschwindigkeit beträgt 35 000 Exemplare in der Stunde. Die Maschine kommt ins Untergeschoss des Nordflügels an der Hallerstrasse zu stehen und macht umfangreiche Anpassungsarbeiten nötig.

1982

Das erste im Filmsatz hergestellte Kursbuch erscheint.

Kursbuch im Filmsatz

1978 gibt Samuel Stämpfli den SBB zu bedenken, dass «eine künftige Satzerstellung nicht mehr gewährleistet ist, weil in ganz Europa keine Bleisetzer mehr zu rekrutieren sind. Das komplizierte Satzgebilde kann jedoch von keinem neuen Satzprogramm dargestellt werden.» Nach einer «Entschlackungskur» durch den Gestalter Müller-Brockmann, umfangreichen Vorbereitungsarbeiten auf Seiten der SBB und der PTT und der Inbetriebnahme der Digisetanlage bei Stämpfli erscheint am 23. Mai 1982 das Kursbuch erstmals als Taktfahrplan und im Filmsatz hergestellt. Der damalige Verantwortliche bei den SBB, Peter Wichtermann, spricht von einem Projekt, «für das es nirgends ein Vorbild gab».

1979

Buchstämpfli nimmt seine Tätigkeit auf.

Buchstämpfli Versandbuchhandlung

Den Anlass zur Gründung einer eigenen Versandbuchhandlung geben die zahlreichen Privatkunden, die immer wieder Stämpfli-Titel direkt beim Verlag bestellen. Solche Bestellungen müssen jeweils an die Buchhandlungen weitergeleitet werden, was relativ aufwändig ist. Alexander Heimann (1937–2003), der sich auch einen Namen als Schriftsteller gemacht hat, zieht die Versandbuchhandlung auf. Buchstämpfli ist vorerst beschränkt auf juristische Literatur aller Verlage, bald aber dehnt man die Tätigkeit auch auf den Versand allgemeiner Literatur aus (Buchstämpfli Versandbuchhandlung).

Die Digisetanlage wird installiert.

Digisetanlage

Die bisherigen Filmsatzanlagen produzieren im Wesentlichen lediglich Spalten, die der Typograf mithilfe von Schere, Skalpell und Leim zu Seiten zusammenfügt. Die neuen Anforderungen heissen: Umbrüche und Korrekturen interaktiv am Bildschirm ausführen, Ganzseitenausgabe, möglichst nur einmalige Filmbelichtung. Die Digisetanlage der Firma Dr. Ing. Rud. Hell in Kiel besteht aus Steuerkonsole, Rechner, Belichtungseinheit, Filmeinheit, Onlineentwickler, Schriftdateien und dem Satzprogramm Dosy. Die Schriftzeichen sind in digitaler Form auf einer Magnetplatte abgespeichert. Die Anlage eröffnet im Bereich Datensatz völlig neue Möglichkeiten und erlaubt die Ablösung des Bleisatzes für das Kursbuch der SBB.

1976

Ablösung des Computersystems IBM 1130 durch Univac 90/30 mit ersten Bildschirmen.

1974

Gründung der Reihe Précis de droit Staempfli.

1972

Die Filmbelichtung wird eingeführt.

Filmbelichtung

Filmbelichtung Die Einführung des Offsetdrucks und jene des Filmsatzes hängen eng zusammen. Anfänglich müssen von den Bleisatzformen Filmabzüge hergestellt werden, deren Bild man auf Offsetplatten überträgt. Aus dem damaligen umfangreichen Angebot wählt Stämpfli wegen der Schriftqualität und des genügenden Zeichenumfangs die Monophoto vom gleichen englischen Lieferanten, der die Monotype-Anlagen gebaut hat. Sie wird direkt über den von den Erfasserinnen hergestellten 8-Kanal-Lochstreifen gesteuert und arbeitet mit zwei Schriftscheiben, an deren Rand die Schablonen aller Zeichen aufgereiht sind. Die Scheiben drehen sich so, dass das angesteuerte Zeichen über die Lichtquelle zu liegen kommt. Die Stundenleistung beträgt 120 000 Zeichen und ist auf Anhieb doppelt so hoch als jene sämtlicher sieben bisherigen Giessmaschinen. Ab 1979 geht man zur digitalen Belichtung über. Die Typografen arbeiten nun anstelle von Bleisatz mit Filmstücken, die sie mithilfe von Schere, Skalpell und Leim zu Seiten zusammenkleben. Von einer Ganzseitenausgabe ist man noch weit entfernt.

Filmbelichtung

1969

Die Umstellung von Buch- auf Offsetdruck beginnt.

Offsetdruck

Der Offsetdruck ist eine Weiterentwicklung des Steindrucks (Lithografie). Man benötigt dazu eine beschichtete Aluminiumdruckplatte, auf die das Bild auf fotochemischem Weg übertragen wird. Die druckenden Stellen auf der Platte sind fettfreundlich und Wasser abstossend und nehmen daher die fetthaltige Druckfarbe an. Die nicht druckenden Stellen dagegen stossen die Farbe ab, nehmen aber das Wasser an. Beim Druckvorgang werden die nicht druckenden Stellen zunächst von dem Feuchtwerk mit einem dünnen Film benetzt. Danach wird von den Farbauftragswalzen Druckfarbe auf die druckenden Stellen getragen. Das Druckbild wird zuerst an einen Gummizylinder abgegeben und von diesem auf den Bedruckstoff. Der Offsetdruck wird Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt und vorerst für Druckerzeugnisse minderer Qualität angewandt. Heute hat das Verfahren den einstigen Buchdruck völlig verdrängt.

Der Buchbinderei-Anbau samt zwei Untergeschossen wird fertiggestellt, und im Dachgeschoss des Altbaues werden Büroräume eingebaut.

Buchbinderei-Anbau von 1969

Buchbinderei-AnbauPlatzprobleme machen Ende der 1960er-Jahre einen Anbau samt zwei Untergeschossen hinter dem Gebäude an der Hallerstrasse nötig. Zu diesem Zwecke müssen die Arbeiterhäuser, die Karl Stämpfli seinerzeit errichtet hat, abgerissen werden, und der Druckereiweg (offizieller Strassenname) dazwischen verschwindet. Auf den 1383 m² im Hochparterre des Anbaues finden die Buchbinderei und die Spedition Platz. Die Untergeschosse dienen damals vorwiegend als Lagerraum. Im dritten Stock des Altgebäudes werden Büros eingerichtet, und an der Hallerstrasse entsteht ein neuer Eingang.

1968

Die Firma wird zur Aktiengesellschaft. Die Aktien bleiben im Besitz der Familie Stämpfli.

Die erste Frau beginnt die Schriftsetzerlehre.

Frauen

Zwar liegt die Leitung der Buchhaltung während langer Zeit in den Händen der Prokuristin Frieda Zweifel, und in den Büros gehörten KV-Absolventinnen zum Selbstverständlichen. In der Buchbinderei sind Frauen geschätzte Hilfskräfte und als die Druckmaschinen die Bogen noch nicht selber einziehen, arbeiten vorzugsweise Frauen als Einlegerinnen in den Maschinensälen. Die grafischen Berufe hingegen sind Frauen verschlossen. Die Gesamtarbeitsverträge lassen es bis zu einem gewissen Zeitpunkt lediglich zu, dass Töchter von Prinzipalen Schriftsetzerin oder gar Druckerin werden. 1968 beginnt die erste Frau ihre Schriftsetzerlehre bei Stämpfli, und es dauert nicht lange, bis die Lehrlingsabteilung weiblich dominiert ist. Allerdings hat bereits 1966 eine Dänin in den Stämpfli-Setzersälen gearbeitet, die sogar nach den Regeln der Kunst gegautscht worden ist – in den nordischen Staaten ist man in dieser Hinsicht liberaler.

Gründung der Reihe Stämpflis juristische Lehrbücher.

Stämpflis juristische Lehrbücher

Diese Reihe ist ursprünglich in erster Linie für Studierende gedacht. Als Erstes erscheinen in diesem Rahmen die «Grundlagen der Rechtswissenschaft» des Basler Professors Oskar Adolf Germann. Im Laufe der Zeit entwickeln sich die Bände der Reihe, die von führenden Lehrern der Schweizer Universitäten verfasst werden, auch zu unentbehrlichen Hilfsmitteln von Praktikern in Kanzleien, Gerichten und Firmen. Zur grünen deutschen Reihe gesellt sich 1974 eine blaue mit Beiträgen in französischer Sprache unter dem Namen «Précis de droit Staempfli».

Die erste Bindestrasse wird installiert.

Bindestrasse

In den 1950er-Jahren sind Vertreter von Stämpfli beim Probelauf der ersten amerikanischen Bindestrasse in Paris zugegen. Der damalige Direktor Albert Bolliger erinnert sich: «… viele Techniker, Monteure und Buchbinder standen herum, diskutierten, berieten, schlosserten, schüttelten die Köpfe, nickten befriedigt, wenn das Ganze wiederum lief – kurzum, es klappte noch nicht alles.» Bis 1968 haben sich diese Fertigungsstrassen vervollkommnet, und die Buchbinderei erfährt einen markanten Schub durch die Installation erster Teile einer solchen Anlage. Noch im Altbau werden die Elemente zum Leimen der Buchrücken, Aufkleben der Gaze, Hinterkleben und Einhängen des Buchblocks in den Einband in Betrieb genommen. Nachdem der Buchbinderei-Anbau bezogen ist, wird die Bindestrasse vervollständigt.

1967

Die erste elektronische Datenverarbeitungsanlage (IBM 1130) wird in Betrieb genommen.

Erste elektronische Datenverarbeitungsanlage

Sie besteht aus einem IBM-Computer 1130 mit einem 8-K-Arbeitsspeicher, einigen Datic-Satzperforatoren und verschiedenen Peripheriegeräten. Mit einer Kugelkopfschreibmaschine erfassen Frauen endlos die Texte und die Codes, die in einen Lochstreifen gestanzt werden. Dieser 8-Kanal-Lochstreifen muss vorerst in 32-Kanal-Lochstreifen für die Monotype-Giessmaschine umgewandelt werden. Die Erfassungsleistung steigert sich auf 15 000 bis 18 000 Zeichen in der Stunde gegenüber 7000 am bisherigen Monotype-Tastapparat.

1964

Die erste Nummer der Hauszeitschrift Marginalie kommt heraus.

Die Marginalie

Auf Anregung von Samuel Stämpfli wird 1964 erstmals eine Hauszeitschrift herausgegeben. Sie soll sowohl zur Kundschaft als auch zum Personal des Unternehmens eine Brücke schlagen. Die erste Nummer war 16 Seiten stark.

Hans Gugger, ihr erster Redaktor, später Direktor der Firma und Ehrendoktor der Universität Bern, betreut zwölf Jahrgänge und gibt der Zeitschrift während dieser Zeit eine besondere Note, indem er Beiträge aus seinen speziellen Wissensgebieten, der Kunstgeschichte, der Ornamentik und der Drucktechniken, verfasst. Zur Illustration verwendet er im Einverständnis mit den Herausgebern Druckträger aus Büchern, die bei Stämpfli gedruckt werden, weil damals die Wiedergabe von Bildern unvergleichlich kostspieliger ist als heute.

1957

Die Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und berufliche Vorsorge erscheint erstmals.

Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und berufliche Vorsorge

Mit der Einführung der Alters- und Hinterlassenenversicherung im Jahre 1948 und der folgenden Vorbereitung zum Start einer Invalidenversicherung kommt dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts eine zunehmende Bedeutung zu. Der erste Redaktor der SZS, Professor Alfred Maurer, regt an einer Juristentagung die Gründung einer Zeitschrift für dieses Gebiet an. Der Verleger Dr. Jakob Stämpfli nimmt diese Anregung auf und entschliesst sich zur Herausgabe, obwohl der damalige Direktor des Bundesamtes für Sozialversicherung dem Unternehmen eine «Lebenserwartung von höchstens 5 Jahren» zubilligt. Neben Alfred Maurer wirken der Direktor des damaligen BIGA (heute BBT), Prof. M. Holzer, und das Mitglied des eidg. Versicherungsgerichts in Luzern, Dr. A. Gysin, als Redaktoren mit.

1953

Die Gebrüder Samuel Stämpfli und Dr. Jakob Stämpfli übernehmen die Verantwortung für die Druckerei und den Verlag.

Samuel Stämpfli (1920–2001)

Samuel Stämpfli tritt nach dem Erwerb der Literaturmatur als Schriftsetzerlehrling in den väterlichen Betrieb und anschliessend in die Tagesfachklasse der Zürcher Kunstgewerbeschule ein. Erst nach dem Krieg ist es ihm möglich, in England und in den USA Eindrücke über die damals existierenden verschiedenen Druckverfahren und über die zu erwartenden Entwicklungen zu gewinnen. Zusammen mit seinem Bruder Dr. Jakob Stämpfli hat er zwischen 1953 und 1988 die Leitung der Firma inne. Während dieser Zeit kommt es zu den grundlegenden Veränderungen in der Technologie – der 500-jährige Bleisatz wird vom Filmsatz abgelöst; der Buch- vom Offsetdruck. Zusammen mit seinen Direktoren Albert Bolliger, Dr. h.c. Hans Gugger und Anton Schudel gelingt es ihm, die für das Unternehmen lebenswichtigen Entscheide zur richtigen Zeit zu fällen. Samuel Stämpfli ist von 1962 bis 1971 Präsident des Schweizerischen Buchdruckervereins, wie die Arbeitgeberorganisation der Drucker damals heisst.  

Dr. Jakob Stämpfli

Dr. Jakob Stämpfli bildet sich nach seinen abgeschlossenen juristischen Studien im Buchhandel und im Verlagswesen in Zürich, Heidelberg und London weiter aus. 1948 tritt er in den Stämpfli Verlag ein, der damals noch von seinem Onkel geleitet wird. 1953 übernimmt er zusammen mit seinem Bruder Samuel die Leitung der Firma, die sie 1988 an ihre Nachfolger weitergeben. Jakob Stämpfli baut den Verlag aus und bringt Hunderte von Titeln heraus, vor allem juristische Literatur, aber auch Werke aus den Gebieten der Kunst, der Geschichte, der Sprachwissenschaft und der Theologie. Unter seiner Leitung beginnen auch neue Zeitschriften zu erscheinen, und 1979 begründet er die Versandbuchhandlung Buchstämpfli. Jakob Stämpfli ist Mitglied des Vorstandes des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbandes und der Internationalen Verlegerunion.

1951

Schaffung der Pensionskasse.

Der Rotationsdruck hält Einzug.

Rotationsdruck

Im Zeitungsdruck sind Rotationsmaschinen längst etabliert. Der Druck erfolgt an den Berührungspunkten zweier Zylinder, deren einer die gebogene Druckplatte trägt und über deren anderer das Papier läuft. Der Satz muss zu diesem Zweck auf eine Platte übertragen werden, die sich biegen und um den Zylinder legen lässt. Hauptsächlich für den Zeitungsdruck werden zu diesem Zweck ab dem Satz Matern gepresst und mit Blei ausgegossen, wodurch sogenannte Stereotypien entstehen. Die feinere Art der Duplikate erzeugt man auf galvanischem Weg. In der Regel wird das Papier in Rollen angeliefert. Im Unterschied dazu verarbeitet die von Stämpfli in Betrieb genommene Maschine Bogen.

1931

In der Spedition löst ein Lastwagen das bisherige Pferdefuhrwerk ab.

1930

Einführung der gemässigten Kleinschreibung in allen firmeneigenen Texten.

Gemässigte Kleinschreibung

Die Rechtschreibung der deutschen Sprache ist seit dem Wirken Konrad Dudens um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert verhältnismässig gut geregelt. Der Ruf nach weiteren Vereinfachungen, insbesondere nach der Einführung der sogenannten gemässigten Kleinschreibung, womit nur noch die Satzanfänge und die Eigennamen grossgeschrieben würden, ist bis heute nicht verstummt. Wohl in der Meinung, über kurz oder lang werde sich diese Strömung durchsetzen, führt man bei Stämpfli 1930 die gemässigte Kleinschreibung für alle Geschäftsdrucksachen und die gesamte Korrespondenz ein. Es scheint, als ob der damalige Stadtpräsident von Biel, Guido Müller, sich durch diesen Schritt zur Einführung der Kleinschreibung in der Bieler Verwaltung animieren lässt. Er muss die Übung allerdings ein halbes Jahr später abblasen, währenddem sie bei Stämpfli rund zwei Jahrzehnte Gültigkeit hat.

1926

Übernahme der Zeitschrift des Bernischen Juristenvereins (ZBJV).

Die Zeitschrift des Bernischen Juristenvereins

Die Zeitschrift des Bernischen Juristenvereins (ZBJV) dürfte wohl die älteste juristische Zeitschrift der Schweiz sein. Sie erscheint seit 1864, wird 1926 vom Stämpfli Verlag übernommen. Im Laufe der Zeit hat sie sich zu einer der wichtigsten zweisprachigen Informationsquellen für Juristen entwickelt und fasst vor allem die Tätigkeit des Bundesgerichts ins Auge.

1919

Mit einer kompletten Monotype-Satzanlage wird der Bleisatz maschinell hergestellt.

Monotype-Satzanlage

Monotype-SatzanlageAb den 1830er-Jahren beginnen Dutzende von Erfindern mit der Konstruktion einer Setzmaschine. Erst Ende des Jahrhunderts erscheinen jedoch brauchbare Modelle auf dem Markt, zuerst Zeilensetzmaschinen, bei denen sich auf Tastendruck Matrizen aneinanderreihen lassen, die zeilenweise ausgegossen werden. Die Monotype-Setzmaschine liefert Einzelbuchstaben. Sie besteht aus einem Tastapparat, an dem ein Papierband mit Lochkombinationen versehen wird. Dieses Band steuert hernach den Matrizenrahmen einer Giessmaschine so, dass sich 225 Einzelmatrizen in der gewünschten Reihenfolge über einer Giessform positionieren und ausgegossen werden. Zeilensetzmaschinen eignen sich hauptsächlich für Zeitungsbetriebe, Einzelbuchstabensatz hingegen für tabellarische Darstellungen. Mit diesen Maschinen lassen sich die Satzleistungen etwa vier- bis fünfmal schneller erbringen als von Hand.

1914

Aufbau einer maschinell gestützten Buchbinderei beginnt.

Buchbinderei

BuchbindereiEs ist anzunehmen, dass die im 19. Jahrhundert bei Stämpfli gedruckten Bücher ausserhalb des Hauses gebunden worden sind. 1914 wird der damals wohl noch bescheidene Maschinenpark mit einer Bogenfalz-, einer Fadenbruchheft-, einer Papierschneid- und einer Bogenplättmaschine ergänzt. Später kommen Geräte zum Lochen und Ösen, Adressieren, Stanzen, Leimen, Perforieren und Ecken-Rundstossen hinzu. Ein wesentlicher Schub in Richtung Industrialisierung der Buchbinderei erfolgt mit der Installation einer Bindestrasse und dem Anbau hinter dem Gebäude an der Hallerstrasse Ende der 1960er-Jahre.

1909

Der «Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht», später «Berner Kommentar» beginnt zu erscheinen.

Berner Kommentar

1909 gibt der damalige Ordinarius für Zivilrecht an der Universität Bern, Professor Max Gmür, einen Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch heraus, aus dem sich später der Berner Kommentar entwickelt, ein Grosskommentar und unverzichtbares Arbeitsinstrument von Juristinnen und Juristen, die sich mit dem Privatrecht befassen.

1906

Rudolf Stämpfli übernimmt zusammen mit seinem Bruder Wilhelm die Leitung des Unternehmens.

Rudolf Stämpfli (1881–1960)

Rudolf Stämpfli Rudolf Stämpfli ist dem Unternehmen seit seiner Jugend verbunden. Er schreibt: «Schon (als mein Vater starb), war es mein fester Vorsatz, Buchdrucker zu werden.» In seinen Schulferien arbeitet er als Einleger und «kannte die meisten Arbeiter». Nach der Matura, einem Volontariat im Geschäft und einem Weiterbildungsaufenthalt in Deutschland übernimmt er 1906 die Leitung der Buchdruckerei und steht zusammen mit seinem Bruder Wilhelm dem Unternehmen bis ins Jahr 1953 vor. Die beiden vervollständigen 1913 und 1930 das Gebäude an der Hallerstrasse. Auf kantonaler, nationaler und internationaler Ebene ist Rudolf Stämpfli in den Gremien der Arbeitgeber der Branche tätig und präsidiert 33 Jahre lang die EIKA, die 1918 als Schutzverband der papierverarbeitenden Industrien gegründet worden ist.

1905

Das Offizielle Kursbuch der Schweiz erscheint.

Das Offizielle Kursbuch

Das Offizielle Kursbuch erscheint 1905 zum ersten Mal im Verlag der Firma Stämpfli, nachdem diese bereits seit 1891 einen Fahrplan – den Schweizer Conducteur – herausgegeben hat. Der Fahrplan kostet drei Franken und wird ab 1907 von der Generaldirektion der SBB redigiert. 1934 entwickeln SBB, Stämpfli und die Schriftgiesserei Haas in Münchenstein ein neues Konzept für ein gut lesbares Kursbuch. Jahrzehntelang ist ein wesentlicher Teil des Betriebes mit der Herstellung des vorerst zweimal im Jahr erscheinenden Kursbuches samt seinen Entwürfen und Vorentwürfen beschäftigt, das immer umfangreicher und auflagenstärker wird.1982 führen die Verkehrsbetriebe der Schweiz den Taktfahrplan und damit auch ein neues Kursbuchkonzept ein. Nachdem es möglich geworden ist, im Filmsatz senkrecht verlaufende Zeilen zu setzen, stehen einer Produktion des Kursbuches mithilfe der neuen Technologie nichts mehr im Wege. 1994 konzipieren die Transportunternehmen eine eigene Datenbank, und der Satzaufwand im Betrieb beschränkt sich auf das Umwandeln und Belichten ab Datenträgern. Druck und Buchbinderarbeiten werden auf mehrere Betriebe verteilt.

1904

Dr. Wilhelm Stämpfli tritt in die Firma ein und macht die bisher gelegentliche Verlagstätigkeit mit der Herausgabe von juristischen Reihen wie der Abhandlung zum schweizerischen Recht und dem Berner Kommentar zum festen Bestandteil des Unternehmens.

Dr. Wilhelm Stämpfli (1875–1958)

Dr. Wilhelm Stämpfli befindet sich mitten im Jurisprudenzstudium, als sein Vater stirbt. Er unterbricht seine Studien, um zusammen mit seiner Mutter die Voraussetzungen für den Fortbestand des Unternehmens zu schaffen, und setzt sie nachher in Bern, Berlin und Paris fort. 1904 tritt er in die Firma ein und führt sie von 1906 bis 1953 zusammen mit seinem Bruder Rudolf. Nachdem er in Berlin Kontakte zum Verlaghaus Julius Springer gepflegt hat, baut er die bis anhin gelegentliche Verlagstätigkeit zum festen Bestandteil des Unternehmens aus. Sein eigener Bildungsgang und persönliche Beziehungen zu juristischen Lehrern der Universität Bern legen es nahe, Rechtsliteratur in den Vordergrund zu rücken. Als Mitglied einer Dreierdelegation führt er während des Ersten Weltkrieges nach einer gefährlichen Seereise Gespräche mit dem amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson über die Neutralität der Schweiz. Wilhelm Stämpfli fördert das Berner Musikleben und ist mit dem Schriftsteller Hermann Hesse freundschaftlich verbunden.

Das erste Heft der «Abhandlung zum schweizerischen Recht» erscheint.

Abhandlungen zum schweizerischen Recht

Professor Max Gmür, der damalige Ordinarius für Zivilrecht an der Universität Bern, gibt das erste Heft der Abhandlungen zum schweizerischen Recht heraus. Es enthält Untersuchungen über die Haftpflicht aus unerlaubter Handlung nach dem schweizerischen Obligationenrecht, die von Dr. Th. Guhl, dem späteren Professor und Herausgeber der Abhandlungen, verfasst worden sind. Die Reihe umfasst heute mehrere hundert Bände, zum Teil auch in französischer Sprache.

1894

Emma Stämpfli-Studer übernimmt nach dem Tod ihres Gatten die Leitung der Druckerei, bis ihre beiden Söhne Dr. Wilhelm und Rudolf Stämpfli sich diese Aufgabe teilen.

Emma Stämpfli-Studer (1848–1930)

Auch Karl Stämpflis Ehefrau wird wie die Gattinnen seiner Vorfahren früh Witwe. Ihre Söhne befinden sich zum Zeitpunkt des Todes ihres Vaters noch in der Ausbildung, sodass sie selber die Verantwortung für die mehr als hundert Angestellten übernehmen muss. In fachlicher Hinsicht steht ihr der technische Leiter, Albert Häsler, bei. Unter ihrer Leitung entstehen der Mittelbau (Architekten sind Paul Lindt und Ernst Hünerwadel, die später das Casino erbauen) und ein Teil des Nordflügels des Gebäudes an der Hallerstrasse. Zum Andenken an ihren Mann und «in Ausführung seines Wunsches» stiftet sie 1895 eine Kranken-, Invaliden und Sterbekasse für die Belegschaft. Sie ist ausserdem eine Pionierin im Krippenwesen, sitzt im Zentralvorstand von Pro Juventute und ist in vielen gemeinnützigen Organisationen tätig.

1891

Der Fahrplan «Conducteur» erscheint.

1888

Gründung der Schweizerischen Zeitschrift für Strafrecht.

Schweizerische Zeitschrift für Strafrecht

Mehr und mehr beginnt gegen Ende des 19. Jahrhunderts innerhalb der Firma die Verlagstätigkeit Bedeutung zu erlangen. Carl Stooss, Ordinarius für Strafrecht an der Universität Bern, der die Vorarbeiten für ein gesamtschweizerisches Strafrecht leistet und später in Wien wirkt, gibt 1888 das erste Heft der Zeitschrift für Schweizer Strafrecht über die Expedition der Stämpfli'schen Buchdruckerei heraus.

Erstmaliger Druck der Schweizerischen Feuerwehr-Zeitung.

Schweizerische Feuerwehr-Zeitung

1870 wird der Schweizerische Feuerwehrverein gegründet. 1875 erscheint die erste Schweizerische Feuerwehr-Zeitung als Probenummer. Ende 1887 wählt der Centralausschuss einen neuen Redaktor, Hauptmann Fritz Studer, den Schwager Karl Stämpflis, der diesem in der Leitung des Unternehmens zur Seite steht. Dieser Verbindung ist es zu verdanken, dass die Zeitung seit 1888 bei Stämpfli gedruckt wird.

1877

Karl Stämpfli baut in der Länggasse ein neues Druckereigebäude, das im Laufe der Zeit etappenweise erweitert wird.

Länggasse

LänggasseIm Auftrag von Karl Stämpfli errichtet Architekt Emil Wäber 1877 in der vorderen Länggasse (Hallerstrasse 7, heute Sitz von Swissmedic) einen für die damalige Zeit grossen Industriebau, den Südflügel des heutigen Gebäudes. Eine neuartige Konstruktionsart mit schlanken Gusseisenstützen ermöglicht im Innern grosszügige Maschinensäle. Etwa zur gleichen Zeit werden die Verkehrswege ins Länggassquartier geplant und gebaut. Die Druckerei befindet sich für damalige Vorstellungen weit ausserhalb der Stadt, weshalb für die Kundschaft in einem Hutgeschäft beim Zeitglockenturm ein Briefkasten angebracht werden muss. Hinter der Druckerei baut Stämpfli drei Häuser mit einfachen Wohnungen für seine Arbeiter. In den Jahren 1896, 1904, 1930 kommen der Mittelteil und der Nordflügel des Industriebaues hinzu, und Ende der 1960er-Jahre entsteht auf seiner Ostseite ein Anbau für die Buchbinderei, die Arbeiterhäuser werden wieder abgerissen.

Arbeiterhäuser am ehemaligen Druckereiweg
Arbeiterhäuser am ehemaligen Druckereiweg, links der ehemalige Pferdestall

Auf- und Anbauten am Nordflügel
Auf- und Anbauten am Nordflügel aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts

1871

Karl Stämpfli kauft die Firma zurück.

Karl Stämpfli (1844–1894)

Karl StämpfliObwohl seine Mutter nach dem frühen Tod ihres Mannes keinen andern Ausweg als den Verkauf des Unternehmens gesehen hat, setzt sie alles daran, ihren Sohn Karl, der zur Zeit dieser Handänderung vier Jahre alt ist, auf die Wiederübernahme der Druckerei vorzubereiten. Karl Stämpfli macht in Stuttgart eine Schriftsetzerlehre und absolviert die Buchdruckerhochschule in Leipzig. Nach einer ausgiebigen Wanderschaft durch Europa kehrt er 1867 nach Bern zurück, wo er zunächst als Associé des Besitzers Gottlieb Hünerwadel in das Geschäft eintritt, das noch immer den Namen seiner Familie trägt. 1871 kauft er die Firma zurück. Er entwickelt die Druckerei zu einer der leistungsfähigsten der Schweiz und vollzieht den Auszug aus dem Bürgerhaus an der Postgasse in einen eigens dafür erstellten Industriebau in der Länggasse. Karl Stämpfli ist auf allen Stufen bis hin zum Nationalrat politisch tätig. Zusammen mit seiner Frau setzt er sich in einer für jene Zeit ausserordentlichen Weise für seine Belegschaft ein. Wie seinem Vater und seinem Grossvater ist auch ihm kein langes Leben beschieden. Er stirbt bereits mit 50 Jahren.

Das Organ des Schweizerischen Alpen-Clubs wird ab seinem siebten Jahrgang bei Stämpfli gedruckt.

Der Schweizerische Alpenclub

Der Schweizerische Alpenclub wird 1863 gegründet und gibt anfänglich Jahrbücher heraus, deren siebenter Jahrgang bei Stämpfli gedruckt wird. Daraus entsteht später die Zeitschrift «Die Alpen», die heute noch allmonatlich bei Stämpfli hergestellt wird.

1849

Das Bundesblatt der Schweizerischen Eidgenossenschaft wird von Anfang an bei Stämpfli gedruckt.

Schweizerisches Bundesblatt

Die Nummer 1 des Schweizerischen Bundesblattes erscheint am 24. Februar 1849, also kurz nach der Gründung unseres heutigen Bundesstaates. Sein Inhalt besteht in einem ersten Teil aus Gesetzen, Verhandlungsberichten des Bundesrates, Entwürfen von Bundesgesetzen, Mitteilungen der Behörden und Wahlanzeigen. In einem zweiten Teil folgen Inserate des Bundes, der Kantone und der Gemeinden sowie von Privaten. Es erscheint einmal wöchentlich; das Jahresabonnement kostet drei Franken.

1848

Der ehemalige Staatsschreiber Gottlieb Hünerwadel erwirbt die Stämpflische Druckerei.

Gottlieb Hünerwadel (1808–1877)

Gottlieb HünerwadelGottlieb Hünerwadel ist Theologe und amtet unter dem einflussreichen Politiker Karl Neuhaus als bernischer Staatsschreiber. Als dieser in den politisch bewegten Zeiten kurz vor der Gründung des Bundesstaates 1846 bei den Neuwahlen scheitert, verliert auch Hünerwadel seine Stelle. Nach dem frühen Tod Carl Samuel Stämpflis verkauft 1848 dessen Witwe die Druckerei an Hünerwadel, der sich in den politischen und in den Verwaltungsgremien des jungen Bundesstaates bestens auskennt und seine Beziehungen für das Unternehmen an der Postgasse fruchtbar zu machen weiss. Hünerwadel begnügt sich nicht mit der Führung des Betriebes, sondern sitzt in vielen Verwaltungsräten wie demjenigen der Centralbahngesellschaft oder der Mobiliar-Versicherungsgesellschaft, die er etliche Jahre präsidiert. 1871 verkauft er die Firma wieder an den Vertreter der dritten Stämpfli-Generation, Karl Stämpfli, zurück.

1845

Carl Samuel Stämpfli schafft als erster Drucker in Bern eine Schnellpresse an.

Schnellpresse

Anfang des 19. Jahrhunderts entwickeln die beiden Deutschen König und Bauer für die «Times» in London eine völlig neuartige Druckmaschine. Während bis dahin die Drucke durch das Aufeinanderpressen zweier Flächen entstehen, rollt bei der Schnellpresse das Papier auf einem Zylinder über dem flachen Fundament ab, auf dem sich die Druckform befindet. Die neue Art des Druckens bedingt bedeutend weniger Kraft, es können dadurch grössere Papierformate bedruckt werden und der Vorgang gewinnt wesentlich an Schnelligkeit. Stämpfli ist in der Schweiz einer der fünf Ersten, die eine solche Maschine anschaffen – und in Bern der Erste.

1828

Carl Samuel Stämpfli übernimmt die Geschäftsleitung an der Postgasse.

Carl Samuel Stämpfli (1806–1848)

Carl Samuel Stämpfli erlernt in Zürich bei Orell-Füssli «die Kunst des Setzens gründlich». Nach seiner Lehrzeit macht er ausgedehnte Reisen durch Europa und arbeitet in der «berühmten Officin» Firmin-Didot in Paris. Gut gerüstet übernimmt er 1828 die Leitung des Betriebes und beginnt diesen zu modernisieren. Er ersetzt die herkömmlichen hölzernen Pressen durch solche aus Eisen und schafft 1845 als einer der ersten Drucker in der Schweiz eine Schnellpresse an. 1831 kommt die politische Umwälzung und damit die Aufgabe des Privilegienwesens, wodurch ein harter Konkurrenzkampf unter den fünf Berner Druckern beginnt. Carl Samuel Stämpfli behauptet sich im gewandelten Umfeld gut. Er wird lediglich 40 Jahre alt und stirbt 1846 an einer Lungenentzündung.

1814

Marie Albertine Stämpfli-Ernst muss Ludwig Albrecht Haller als neuem obrigkeitlichem Drucker Platz machen. Sie erhält im Gegenzug das sogenannte Kalenderprivileg. Neben anderen gehört der Hinkende Bot dazu, der bis heute alljährlich bei Stämpfli erscheint.

Der Hinkende Bot

Der «Hinkende Bote» ist das älteste noch heute erscheinende Druckerzeugnis von Stämpfli. Die Ursprünge des Kalenders reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Kalender sind zu jener Zeit neben der Bibel und etwa einem Gesangbuch die einzige Drucksache im bäuerlichen Haushalt und haben schon damals einen ähnlichen Aufbau, wie wir ihn heute noch kennen. «Hinkende Boten» gibt es an verschiedenen Orten: Vielfach werden Kalender von Kriegsversehrten von Haus zu Haus verteilt, weswegen sie wohl zu diesem eigenartigen Titel gekommen sind. Diese Druckerzeugnisse unterstehen zur damaligen Zeit einer strengen Zensur der Obrigkeit, da man von einer Pressefreiheit noch weit entfernt ist. Die Behörde vergibt die entsprechenden Privilegien, verordnet einen «Censor», legt die Preise fest, und Marie Albertine Stämpfli muss sich verpflichten, einen Korrektor anzustellen, der «dem Kirchenrathe» genehm ist.

Auszug aus dem Gebäude der obrigkeitlichen Druckerei an der Postgasse 44 (heute 60).

Postgasse

Das Haus an der Postgasse 60 dürfte um 1720/30 gebaut worden sein. Zwischen 1815 und 1877 beherbergt es die Stämpflische Druckerei. Im rückwärtigen Gebäudeteil an der Postgasshalde präsentiert sich ein Terrassenanbau, der sehr wahrscheinlich während dieser Zeit errichtet worden ist.

1807

Nach Gottlieb Stämpflis frühem Tod führt seine Frau Marie Albertine Stämpfli-Ernst die Firma weiter.

Marie Albertine Stämpfli-Ernst (1784–1836)

Marie Albertine Stämpfli-ErnstMarie Albertine Stämpfli-Ernst verliert bereits mit 23 Jahren ihren Gatten und führt dessen Firma entschlossen weiter. Vorerst bleibt sie obrigkeitliche Druckerin. 1814 wird sie in dieser Funktion von Ludwig Albrecht Haller abgelöst, von dem sie jedoch gleichzeitig das sogenannte «Kalenderprivileg» übernimmt, d.h., sie darf den «Hinkende Bot» und zwei weitere Kalender – damals nicht zu unterschätzende Produktionen – herausgeben. Marie Albertine Stämpfli führt den ersten Umzug der Druckerei durch und etabliert sich an der Postgasse. Sie versteht es, die nun weggefallenen offiziellen Druckaufträge wettzumachen. Die Zahl der Broschüren und Bücher mit der Bezeichnung «bey Witib Stämpfli gedruckt» ist eindrücklich. Mit Nachdruck fördert sie die Ausbildung des Sohnes Carl, der 1828 die Leitung des Geschäfts übernimmt.

1799

Gottlieb Stämpfli wird obrigkeitlicher Drucker.

Gottlieb Stämpfli (1770–1807)

Gottlieb StämpfliGottlieb Stämpfli ist bei seinen beiden Vorgängern in der Obrigkeitlichen Druckerei – Beat Friedrich Fischer und Daniel Brunner – Lehrling und Geselle gewesen, bevor er sich selber um die Stelle des obrigkeitlichen Druckers bewirbt. Damit beweist er Mut, denn die politisch turbulenten Zeiten lassen die Zukunft der staatlichen Einrichtungen ungewiss erscheinen. Die aristokratische Regierung hat eben einer bürgerlichen Verwaltungskammer Platz machen müssen, und auch deren Bestand ist alles andere als sicher. Stämpfli erhält den Zuschlag. Nachdem er mit Daniel Brunner die Übernahme des Inventars geregelt hat, beginnt er am 1. Januar 1800 seine Tätigkeit. 1801 vermählt er sich mit Marie Albertine Ernst. Aus der Ehe gehen eine Tochter und der Sohn und spätere Nachfolger Carl Samuel hervor. Bereits 1807 macht der Tod dem Leben Gottlieb Stämpflis ein Ende.

1798

Senefelder erfindet den Steindruck (Lithografie).

Steindruck (Lithografie)

Dieses Flachdruckverfahren benötigt als Grundmaterial eine Platte aus Kalkschiefer. Nach sorgfältigem Glattschleifen kann mit fetthaltiger Lithotusche oder Lithokreide auf den Stein gezeichnet werden. Nachdem die fertige Zeichnung mit Talkum behandelt worden ist, streicht man sie mit Salpetersäure und Gummi arabicum ein. Anschliessend wäscht man die trockene Ätzlösung ab und reibt den feuchten Stein mit Terpentinöl ab. Die Zeichnung verschwindet dabei fast völlig. Nun wird mit einer Walze fetthaltige Druckfarbe auf den feuchten Stein aufgetragen. Die Farbe bleibt nur an den fettigen Stellen der Zeichnung haften und wird vom Wasser der unbezeichneten Stellen abgestossen. Mithilfe der Presse kann nun die Zeichnung seitenverkehrt auf ein darüber gelegtes Papier abgedruckt werden. Dieses Druckverfahren ist der Vorläufer des Offsetdrucks, der heute bei den Printmedien vorherrschend ist.

1599

In Bern wird die Hoch-Obrigkeitliche Druckerei ins Leben gerufen.

Hoch-Obrigkeitliche Druckerei

Ende des 16. Jahrhunderts besteht die Gefahr, dass die Stadt Bern ohne Druckerei dasteht, nachdem sich einige Buchdrucker mit mässigem Erfolg zu etablieren versucht haben. Die damalige Regierung hat jedoch alles Interesse daran, dass ihre Drucksachen nicht an fremden Orten entstehen. Vielleicht erinnert man sich noch der Schmach, die 1532 der Zürcher Drucker Froschauer den Bernern angetan hat, als er auf einem Titelholzschnitt den Berner Bär ohne «kräwel» (Krallen) darstellt – und dies möglicherweise als Hinweis auf den geringen Einsatz der Berner anlässlich des zweiten Kappeler Krieges. So ruft sie die speziell bernische Erscheinung der Hoch-Obrigkeitlichen Druckerei ins Leben, die von 1599 bis 1831 Bestand hat und im Laufe dieser Zeit von 16 verschiedenen Druckern geführt wird. Gegen eine Pacht stellt der Staat dem Drucker das Gebäude neben dem Rathaus zur Verfügung, währenddem dieser die Betriebseinrichtung selber zu beschaffen hat. Kommt es zu einem Wechsel, müssen Vorgänger und Nachfolger die Übernahme des Inventars unter sich regeln.

1440

Johannes Gutenberg erfindet in Mainz die Buchdruckerkunst. 

Buchdruckerkunst

BuchdruckerkunstNachdem während Jahrhunderten Texte vor allem in Klöstern von Hand abgeschrieben und so vervielfältigt worden sind, erfindet Johannes Gutenberg um 1440 den Buchdruck. Er schneidet von jedem Buchstaben Stempel, mit deren Hilfe sich Matrizen schlagen lassen, in denen beliebige Mengen Einzeltypen aus Blei gegossen werden können. Die Bleibuchstaben werden zu Wörtern und Zeilen und diese zu Seiten aneinandergereiht. Die Seiten färbt man ein, stellt sie in ein der Kelterpresse ähnliches Gerät und presst das zu bedruckende Papier darauf. In den Grundzügen bleibt sich diese Technik zur Herstellung der allermeisten Druckerzeugnisse bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gleich.